Depression in 5 Schritten
- swissarzt

- 23. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 11 Stunden
ICD-11 Kriterien: Depressive Störungen (6A7)
Voraussetzung: Die Symptome bestehen über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen an fast jedem Tag für den Grossteil des Tages.
Die 10 klinischen Symptommerkmale
Die ICD-11 verzichtet auf die strikte Einteilung in Haupt- und Zusatzsymptome. Stattdessen müssen für die Diagnose mindestens 5 der folgenden 10 Symptome vorliegen, wobei mindestens eines der ersten beiden (Kernsymptome) vorhanden sein muss:
Depressive Stimmung (Gefühle von Traurigkeit, Reizbarkeit oder Leere).
Anhedonie (Deutlicher Interessenverlust oder Freudlosigkeit).
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen (oder ausgeprägte Unentschlossenheit).
Gefühl der Wertlosigkeit oder übermäßige/unangemessene Schuldgefühle.
Hoffnungslosigkeit hinsichtlich der Zukunft.
Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder Suizidalität.
Schlafstörungen (Insomnie oder Hypersomnie).
Veränderungen von Appetit oder Gewicht (Zunahme oder Abnahme).
Psychomotorische Agitiertheit oder Gehemmtheit.
Deutliche Ermüdbarkeit oder Energiemangel.
Bestimmung des Schweregrads
In der ICD-11 erfolgt die Einstufung primär über die funktionelle Beeinträchtigung (Fähigkeit zur Bewältigung des Alltags):
Leicht (6A70.0 / 6A71.0): Die Person ist durch die Symptome belastet, kann ihre beruflichen und sozialen Funktionen aber mit Anstrengung noch aufrechterhalten.
Mittelgradig (6A70.1 / 6A71.1): Erhebliche Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben zu erfüllen. Soziale und berufliche Aktivitäten sind deutlich eingeschränkt.
Schwer (6A70.2 / 6A71.2): Die Person ist unfähig, alltägliche Aktivitäten fortzuführen (außer Basisfunktionen wie Körperpflege/Essen).
Spezifizierung: "Mit psychotischen Symptomen" (Wahn/Halluzinationen) möglich.
Klassifikation: Episode vs. Rezidivierende Störung
6A70 Einmalige depressive Episode: Erstmaliges Auftreten im Leben.
6A71 Rezidivierende depressive Störung: Wiederholtes Auftreten (mindestens zwei Episoden).
Voraussetzung: Zwischen den Episoden liegen mindestens 2 Monate ohne signifikante Symptome.
Ausschluss: Keine manischen oder hypomanischen Episoden in der Vorgeschichte (sonst Bipolare Störung).
Diagnostisches Vorgehen (nach NVL / S3-Leitlinie)
Ein strukturierter Prozess zur Sicherung der Diagnose und zum Ausschluss anderer Ursachen.
1. Screening
Zwei-Fragen-Test: Fragen nach Stimmung ("Gedrücktheit?") und Interessenverlust ("Weniger Freude?") im letzten Monat.
Fragebögen: Einsatz standardisierter Instrumente wie PHQ-9 zur Verlaufskontrolle.
2. Klinische Exploration & Ausschluss
Anamnese: Erfassung der ICD-11 Symptome und der psychosozialen Situation.
Somatischer Check: Labor (insb. TSH zur Abklärung der Schilddrüse, Vitamin B12, Entzündungswerte), körperliche Untersuchung und ggf. EKG.
Trauer: Die ICD-11 erlaubt die Diagnose einer Depression auch während Trauerphasen, wenn die Symptome über die normale Trauerreaktion hinausgehen.
3. Suizidalitätsprüfung (Obligatorisch!)
Direktes, empathisches Erfragen von Suizidgedanken, Absichten oder Plänen in jedem Erstkontakt.
Behandlungsempfehlungen (Aktueller Stand)
Das Ziel ist die Remission (vollständige Genesung) und die Wiederherstellung der Teilhabe.
Leichte Episode:
Niederschwellige Interventionen (Self-Help, Online-Programme).
Beratung und Psychoedukation.
Watchful Waiting (engmaschige Beobachtung). Antidepressiva nur bei Patientenpräferenz oder Vorerkrankung.
Mittelgradige Episode:
Wahlmöglichkeit zwischen Psychotherapie (z. B. KVT, IPT) oder Pharmakotherapie.
Schwere Episode:
Kombinationstherapie (Medikation + Psychotherapie) ist der Goldstandard.
Ggf. stationäre Aufnahme oder intensivierte ambulante Betreuung.
Hinweis: Die ICD-11 ermöglicht zusätzlich die Spezifizierung "mit psychotischen Symptomen" (Wahn, Halluzinationen) oder "mit Angstmerkmalen".
















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